Chapter 9: Daniel fand drei Zeugen, die auf ihn warteten
Daniel klopfte nicht.
Er benutzte seinen Schlüssel.
Oder versuchte es.
Das Schloss drehte sich halb, dann stoppte es an der Kette, die Peter wieder eingehängt hatte.
Daniel stieß einmal dagegen.
Die Tür rasselte.
„Emma!“
Seine Stimme füllte den Flur.
Anita trat hinter Peter.
Ich machte ihr keinen Vorwurf.
Daniel schlug noch einmal gegen die Tür.
„Mach diese Tür jetzt auf.“
Peter trat zur Seite, wo Daniel ihn zuerst sehen würde.
Ich stand hinter der Kette.
„Wer ist bei dir?“, verlangte Daniel zu wissen.
„Du weißt, wer.“
Ein Moment.
Dann senkte sich seine Stimme.
„Anita?“
Sie antwortete nicht.
Daniel lachte durch die Tür.
Dieses Lachen hatte früher Leute getäuscht.
Heute Abend klang es geliehen.
„Anita, was auch immer du denkst zu tun, du machst gerade einen karrierebeendenden Fehler.“
Peter öffnete die Tür so weit, wie die Kette es erlaubte.
„Mr. Whitaker.“
Daniels Gesicht erschien im Spalt.
Er war blass unter dem Vordachlicht.
Seine Augen wanderten über Peter, dann Anita, dann mich.
„Was zum Teufel ist das hier?“
„Dokumentenzustellung“, sagte Peter.
„In meinem Haus?“
„Meinem Haus“, sagte ich.
Daniels Augen schossen zu mir.
„Fang nicht wieder damit an.“
Peters Stimme blieb ruhig.
„Mr. Whitaker, ich bin Peter Hales von Northline Wholesale. Uns wurde geraten, heute Abend inhaltlich nichts zu besprechen.“
Daniels Gesicht verhärtete sich.
„Northline hat hier nichts zu suchen.“
„Das mag der Anwalt entscheiden.“
Daniel sah Anita an.
„Du hast vertrauliche Unterlagen gestohlen.“
„Nein“, sagte sie.
Ihre Stimme war leise.
Aber sie zitterte nicht.
„Du hast mich angewiesen, sie zu verändern.“
Die Stille, die folgte, hatte Zähne.
Daniel lächelte.
Langsam.
„Vorsicht.“
Dieses eine Wort trug all die zwölf Jahre meiner Ehe.
Vorsicht, was du sagst.
Vorsicht, woran du dich erinnerst.
Anita hob das Kinn.
„Ich habe die E-Mail aufbewahrt.“
Daniels Lächeln verschwand.
Peter wandte sich leicht mir zu.
„Mrs. Whitaker, ist Ihr Anwalt am Telefon?“
Mr. Reeves‘ Stimme kam aus meinem Handy.
„Ich bin hier.“
Daniel sah den Bildschirm.
Seine Beherrschung riss.
„Das ist Belästigung.“
„Nein“, sagte Mr. Reeves. „Das ist Beweissicherung.“
„Sie sind Hausfriedensbrecher.“
„Mrs. Whitaker hat ihnen Zutritt gewährt.“
„Sie hat keine Befugnis dazu.“
Ich lachte.
Klein.
Scharf.
Meines.
Daniel starrte mich an, als hätte ich ihn geschlagen.
„Das“, sagte Mr. Reeves ruhig, „ist eine der Fragen, die gerade strittig sind.“
Daniel drückte wieder gegen die Tür.
Peter berührte ihn nicht.
Er musste nicht.
Die Kette hielt.
Ich auch.
„Daniel“, sagte ich, „geh.“
Sein Gesicht verdunkelte sich.
„Du glaubst, du kannst mir Befehle geben?“
„Ich glaube, es hören drei Zeugen zu.“
Seine Augen zuckten.
Peter.
Anita.
Das Telefon.
Dann sprach eine weitere Stimme.
„Vier.“
Olivia trat auf die Veranda.
Daniel wirbelte herum.
„Was machst du hier?“
Sie hob ihr Handy.
„Ich nehme auf.“
Er ging auf sie zu.
„Schalt das aus.“
Sie trat zurück.
„Nein.“
Das Wort war dünn, aber es war da.
Olivias Hand zitterte, aber ihre Kamera blieb oben.
„Du hast mir gesagt, Anita hätte von dir gestohlen“, sagte sie. „Du hast mir gesagt, Emma sei instabil. Du hast mir gesagt, Northline sei geregelt.“
Daniels Mund öffnete sich.
Nichts kam sauber heraus.
Peter sagte: „Mr. Whitaker, Sie sollten gehen und mit Ihrem Anwalt sprechen.“
Daniel zeigte auf Anita.
„Du bist erledigt.“
Anitas Gesicht war weiß, aber sie wich nicht zurück.
„Vielleicht“, sagte sie. „Aber ich fälsche keine Unterlagen für dich.“
Ein Vorhang der Nachbarn bewegte sich auf der anderen Straßenseite.
Daniel sah es.
Bild zählte immer mehr als Wahrheit.
Er senkte seine Stimme.
„Emma, mach die Tür auf. Wir können das privat klären.“
Da war es.
Die alte Einladung.
Die Tür schließen.
Den Raum verkleinern.
Ich sah auf seinen Schlüssel, der nutzlos im Schloss hing.
„Nein“, sagte ich.
Seine Nasenflügel blähten sich.
„Das wirst du bereuen.“
Mr. Reeves sprach, bevor ich antworten konnte.
„Mr. Whitaker, das klang wie eine Drohung.“
Daniel erstarrte.
Olivias Handy nahm noch auf.
Anitas E-Mail existierte noch.
Zum ersten Mal seit dem Frühstück hatte Daniel nirgendwo mehr sauberen Boden.
Dann bog langsam ein Polizeiwagen in die Straße ein.
Keine Sirene.
Nur Scheinwerfer, die über Daniels Gesicht wischten.
Peter sah mich an.
„Ich habe einen Wohlfahrtscheck angefordert.“
Daniel drehte sich um.
Sein Selbstvertrauen sackte weg.
Und Olivia flüsterte:
„Er hat mir erzählt, er habe Freunde bei der Polizei.“